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Allgemein | 14.04.2010
Schweiz unterliegt Schweden

Das Eishockey-Nationalteam hat in Arosa den ersten Test gegen Schweden knapp verloren. Die Schweizer unterlagen trotz einer ab der 21. Minuten starken Leistung mit 4:5 nach Penaltyschiessen.


Im Penaltyschiessen bedurfte es nur je zwei Schützen bis zur Entscheidung. Magnus Pääjärvi und Linus Omark trafen für die Schweden; Dario Bürgler und Paolo Duca vergaben ihre Versuche. Vor einem Jahr hatte Linus Omark mit einem Trick-Penalty gegen Marco Bührer (Lob) auf sich aufmerksam gemacht; diesmal entschied er das Penaltyschiessen mit einem wuchtigen Slapshot. Unglücklich kämpfte im Finish der Schweizer Goalie Daniel Manzato: Er liess inklusive Penaltyschiessen vier der letzten sechs Schüsse passieren; die schwedischen Ausgleichsgoals zum 3:3 und 4:4 schienen haltbar.
Als Höhepunkt der Heim-Länderspiele war die erste Schweden-Partie vom Verband angekündigt worden. Tatsächlich wurde in Arosa ein tolles Hockeyspektakel geboten. Die Schweizer leisteten sich zwar einen 20-minütigen Fehlstart, holten dann aber einen Zwei-Tore-Rückstand auf, führten 3:2 und bis in die 57. Minute 4:3, kassierten aber 226 Sekunden vor Schluss noch den 4:4-Ausgleich.
Coach Sean Simpson gewann aus dem Spiel zwei Erkenntnisse: "Erstens: wir müssen in der Lage sein, über die gesamte Spieldauer Leistung zu erbringen. Und zweitens: Wenn wir eine gute Leistung erbringen, können wir jeden Gegner schlagen." Der schwache erste Abschnitt, nach dem Simpson erstmals als Nationalcoach "halb laut" wurde, kostete die Schweizer im Endeffekt den möglichen Sieg.
Trotzdem hätten die Schweizer aber gewinnen können, sie standen eigentlich im Finish dem Sieg näher. Damien Brunner verpasste zu Beginn des dritten Abschnitts bei einem Pfostenschuss das 4:2 nur knapp. Gregory Sciaroni bot sich kurz vor dem 4:4 eine tolle Chance zum 5:3. Und in der Overtime vergab Marcel Jenni die beste Möglichkeit.


Das Highlight aus Schweizer Optik bildete der zweite Abschnitt. In diesen 20 Minuten gelang den Schweizern fast alles. Sie trafen in Überzahl (3:2) und sogar in Unterzahl (2:2). Die Schweizer glichen innerhalb von 145 Sekunden einen Zwei-Tore-Rückstand aus und machten innerhalb von weniger als acht Minuten aus dem 0:2 ein 3:2. Regie führte dabei Roman Wick, der mit dem brillanten Hocheckschuss zum 1:2 die Wende einleitete. Den 2:2-Ausgleich von Thibaut Monnet in Unterzahl bereitete Wick vor. Das dritte Goal erzielte Benny Plüss -- der jüngere Bruder von Martin Plüss traf erstmals für die Nationalmannschaft.


Gegen eine Top-Nation wie Schweden gewinnt die Schweiz nicht alle Tage ein Drittel mit 3:0. Im letzten Vierteljahrhundert gelang das gegen einen Gegner aus den Top-6 (Kanada, USA, Russland, Tschechien, Schweden, Finnland) bloss dreimal -- zuletzt vor dreieinhalb Jahren im Zürcher Hallenstadion gegen eine allerdings klar schwächer besetzte kanadische Equipe. Damals machten die Schweizer im Finish aus einem 3:4 einen 6:4-Sieg.


Die Schweden treten diese Woche mit einer starken und hungrigen Equipe in der Schweiz an. Der mehrfache NHL-Dollarmillionär Michael Nylander (ex Lugano) führt das Team an; Nylander rettete sein Team mit dem späten Ausgleich auch in die Verlängerung. Den grossen Vorschusslorbeeren wurde das Tre-Kronor-Team aber nur im ersten Abschnitt gerecht. Den dominierten die Skandinavier mit 16:3 Schüssen; die Schweizer hätten nach dem ersten Abschnitt auch höher als 0:2 zurückliegen können.

Auch Lemm angeschlagen.


Mit der Leistung von Arosa setzte die wenig erfahrene Schweizer Equipe ein klares Zeichen: sie lässt sich von den zahlreichen Absenzen und Absagen nicht ins Bockshorn jagen. Dennoch bleibt die personelle Situation ein Thema. Nach den neusten Absagen von Blindenbacher, von Gunten (beide Sonntag), Streit, Hiller (beide Dienstag) und Diaz (Mittwoch) fehlte am Mittwoch auch Romano Lemm. Lemm leidet an einer Bauchmuskelzerrung; er unterzieht sich am Donnerstag einer Ultraschall-Behandlung.
Am Freitagabend stehen sich die Schweiz und Schweden in Winterthur nochmals gegenüber (19.45 Uhr). Dannzumal wird Martin Gerber sein Comeback geben nach der schweren Verletzung, die er sich im Dezember in Russland zugezogen hat. Gerber wird im ersten Abschnitt im Tor stehen; den Rest des Spiels wird Leonardo Genoni bestreiten.

Schweiz - Schweden 4:5 (0:2, 3:0, 1:2, 0:0) n.P.


Eishalle Obersee, Arosa. -- 3000 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Peer/Prugger, Kohler/Zosso. -- Tore: 11. Granström (Mattias Karlsson/Ausschluss Jenni) 0:1. 20. (19:57) Persson (Sanny Lindström, Widing) 0:2. 23. Wick (Julien Vauclair, Monnet) 1:2. 25. Monnet (Wick/Ausschluss Helbling!) 2:2. 30. Benjamin Plüss (Björn Christen, Jenni/Ausschluss Lander) 3:2. 50. Weinhandl (Omark, Sanny Lindström/Ausschluss Damien Brunner) 3:3. 53. Duca (Back, Helbling/Ausschlüsse Lander; Joggi) 4:3. 57. Nylander (Rundblad) 4:4. -- Penaltys: Dario Bürgler - (daneben), Pääjärvi 0:1; Duca - (scheitert), Omark 0:2. -- Strafen: 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 6mal 2 Minuten gegen Schweden.
Schweiz: Manzato; Seger, Julien Vauclair; Helbling, Back; Du Bois, Hirschi; Blum, Grossmann; Geering; Stancescu, Monnet, Wick; Duca, Romy, Bürgler; Damien Brunner, Jenni, Benjamin Plüss; Björn Christen, Joggi, Sciaroni.
Schweden: Lindbäck; Bäckmann, Viklund; Lindgren, Sanny Lindström; Johan Fransson, Tömmerens; Rundblad, Mattias Karlsson; Weinhandl, Nylander, Jonas Andersson; Persson, Harju, Omark; Joakim Lindström, Lander, Päärjärvi; Hynning, Granström, Widing; Pettersson.
Bemerkungen: Schweiz ohne Romano Lemm (Bauchmuskelzerrung), Genoni (Ersatztorhüter) und Martin Gerber (überzählig). -- Schüsse: Schweiz 24 (3-11-8-2); Schweden 27 (16-3-7-1). -- Powerplay: Schweiz 1/5; Schweden 2/4 (ein Shorthander kassiert). -- Pfotenschüsse: Damien Brunner (42.); Bäckmann (32.).

Zum besten Spieler gewählt: Roman Wick