
Acht Tage vor dem WM-Startspiel gegen Lettland zeigte das Eishockey-Nationalteam zwei Gesichter. In La Chaux-de-Fonds gewannen die Schweizer gegen Norwegen dank eines starken Finish mit 5:4 nach Verlängerung.
Gut spielten die Schweizer jedoch nur ganz am Anfang und ganz am Schluss. In extremis fanden sie im Finish noch den Weg zum Sieg. Bis zur 53. Minute führten die Norweger, die im April zuvor alle Spiele verloren hatten (auch gegen Ungarn und Österreich), mit 4:2. Marcel Jenni im Powerplay (53.) und Paolo Duca während einer angezeigten Strafe (58.) retteten die Schweizer aber in die Verlängerung. Dort erzielte 59 Sekunden vor dem Penaltyschiessen Thibaut Monnet nach Vorarbeit von Romano Lemm das Siegtor. Schon in Vancouver hatte die Schweiz gegen Norwegen in der Verlängerung 5:4 gewonnen.
"Mit der Reaktion auf die schwachen ersten 40 Minuten bin ich sehr zufrieden", meinte hinterher Nationalcoach Sean Simpson. "Schade nur, dass wir nicht 60 Minuten lang so gut spielen konnten."
Dabei hatte die Partie für die Schweizer perfekt begonnen. Nach bloss 13 Sekunden gingen sie in Führung. Thibaut Monnet, der zum dritten Mal in einem Länderspiel zwei Tore erzielte, bezwang nach Vorarbeit von Damien Brunner den norwegischen Keeper Pal Grotnes. Noch überhaupt nie hatte die Schweiz in einem Länderspiel schneller getroffen. Das schnellste Tor in der Neuzeit hatte vor viereinhalb Jahren Ivo Rüthemann erzielt. Er eröffnete am 1. November 2006 gegen Kanada nach 26 Sekunden das Skore.
Der Blitzstart blieb aber bis zum Schlussfurioso das einzige Schweizer Highlight. Nach 201 Sekunden und einem erfolgreichen Buebetrickli von Patrick Thoresen (ex Lugano) war der Vorsprung bereits wieder verspielt. Die Schweizer gingen zu Beginn des zweiten Abschnitts durch Andres Ambühl erneut in Führung. Wieder vermochten sie den Vorsprung aber lediglich 61 Sekunden lang zu halten. In der zweiten Hälfte des zweiten Abschnitts rissen die Norweger sogar in Unterzahl (!) die Initiative an sich. In der 31. Minute erwischte Marius Holtet den Schweizern (2:3). Und 105 Sekunden vor der zweiten Pause konnte Martin Roymark direkt von der Strafbank aus solo auf Goalie Martin Gerber losziehen (2:4).
Mit dem starken Finish, in dem Simpson die Kräfte auf drei Blöcke reduzierte, vermochten sich die Schweizer aber immerhin noch zu rehabilitieren. Den Schlussabschnitt dominierten sie mit 19:2 Schüssen.
Bemerkenswert war ausserdem, das Head-Referee Roland Stalder (Lyss) nach 29 Jahren mit dem Länderspiel seine Schiedsrichter-Karriere beendete. Stalder wurde von den 4312 Zuschauern in der Les-Mélèzes-Halle mit einer standing-ovation verabschiedet.
Die WM-Vorbereitung geht ab Montag in Kreuzlingen weiter. Zehn Stunden vor dem ersten Norwegen-Spiel hatte Simpson das Kader um vier Spieler reduziert. Goalie Leonardo Genoni, Verteidiger Robin Grossmann sowie die Stürmer Gregory Sciaroni und Victor Stancescu schieden aus. Weitere personelle Entscheidungen wird Simpson übers Wochenende treffen.
Schon jetzt ist bei den Torhütern alles klar: Martin Gerber, Daniel Manzato und Tobias Stephan bilden das Keeper-Trio an der WM in Deutschland. Im erweiterten Kader verblieben am Freitag 9 Verteidiger und 18 Stürmer, unter ihnen auch noch Roman Wick. Der Kloten-Stürmer weilte aber am Donnerstag und Freitag nicht mehr in La Chaux-de-Fonds. Simpson: "Ich hoffe natürlich auf Wick -- aber die Ärzte sind skeptisch. Bis am Montag wissen wir aber auch über seinen Zustand mehr." 22 Feldspieler wird Sean Simpson nächste Woche mit nach Mannheim an die WM mitnehmen.
Telegramm:
Les Mélèzes, La Chaux-de-Fonds. -- 4312 Zuschauer. -- SR Reiber/Stalder, Wehrli/Wirth. -- Tore: 1. (0:13) Monnet (Damien Brunner/Strafe angezeigt) 1:0. 4. Thoresen (Zuccarello Aasen) 1:1. 24. Ambühl (Damien Brunner, Monnet) 2:1. 25. Zuccarello Aasen (Thoresen) 2:2. 31. Holtet (Ostli/Ausschluss Tommy Jakobsen!) 2:3. 39. Roymark (Bastiansen) 2:4. 53. Jenni (Duca/Ausschluss Zuccarello Aasen) 3:4. 58. Duca (Strafe angezeigt) 4:4. 65. (64:01) Monnet (Romano Lemm) 5:4. -- Strafen: 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 7mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Tollefsen, Zuccarello Aasen) gegen Norwegen.
Schweiz: Martin Gerber; Seger, Julien Vauclair; Du Bois, Josi; Helbling, Hirschi; Back, Geering, Damien Brunner, Ambühl, Monnet; Simek, Romy, Jenni; Romano Lemm, Savary, Benjamin Plüss; Duca, Trachsler, Niederreiter.
Norwegen: Grotnes; Holos, Tollefsen; Tommy Jakobsen, Kaunismäki; Ostli, Solberg; Bonsaksen, Csiszar; Aasen Zuccarello, Fredriksen, Thoresen; Olimb, Bastiansen, Lars Erik Spets; Knut Henrik Spets, Roymark, Holtet; Martinsen, Olimb, Kristian Forsberg; Lorentzen.
Bemerkungen: Schweiz ohne Manzato (Ersatztorhüter), Wick (verletzt), Déruns, Goran Bezina, Rüthemann, Martin Plüss (alle geschont), Björn Christen und Bürgler (beide überzählig). -- Schüsse: Schweiz 36 (9-7-19-1); Norwegen 20 (9-8-2-1). -- Powerplay: Schweiz 1/6 (ein Shorthander kassiert); Norwegen 0/5.


