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Allgemein | 23.02.2010
Schweiz im Viertelsfinale

Die Schweiz darf zum Abschluss der Ära Ralph Krueger noch mindestens 24 Stunden von einem grossen Exploit träumen. Nach dem 3:2 nach Penaltyschiessen gegen Weissrussland ist der nächste Gegner am Mittwoch (21.00 Uhr MEZ) die USA.


Die Schweizer hatten zuletzt fünf Penaltyschiessen verloren, bewiesen aber im wichtigsten Shootout seit langem ganz starke Nerven. Thomas Déruns und Romano Lemm sorgten mit eiskalt verwerteten Abschlussversuchen für die 2:0-Führung und nach dem Anschlusstreffer von Dimitri Meleschko und dem Fehlversuch von Ivo Rüthemann wehrte Jonas Hiller gegen Sergei Kostizin von den Montreal Canadiens ab und sicherte so das zweite Rendez-Vous mit den USA nach dem 1:3 im Startspiel. Gegenüber den Leistungen aus den letzten beiden Spielen werden sich die Schweizer indes im 298. Spiel unter Krueger markant steigern müssen, um gegen die US-Auswahl eine Chance zu haben.


Sannitz' Gegenstoss in Unterzahl


Nach einem von der Angst vor dem nächsten Fehler geprägten letzten Abschnitt durchlebten die Schweizer in der Overtime eine ganz schwierige Phase, als Roman Wick wegen eines Beinstellens in der Mittelzone auf die Strafbank verbannt wurde. Die beste Chance bei Drei gegen Vier hatten allerdings die "Eisgenossen", nach einem Gegenstoss zusammen mit Mark Streit entschied sich Raffaele Sannitz für den Direktschuss und scheiterte an Andrej Mesin. Und als der 35-Jährige auch noch einen guten Versuch von Mathias Seger abwehrte, war das Penaltyschiessen perfekt, obwohl die Schweizer in allen vier Abschnitten ein Plus hatten (42:22 Schüsse).


Fehlende Kaltblütigkeit


Dass es nach zwei Abschnitten 2:2 stand, schmeichelte den Weissrussen sehr. Die Schweizer dominierten den Mittelabschnitt nach Schüssen ebenso sehr wie den ersten (10:4, respektive 16:7), schlugen aber aus dem Plus kein Kapital. Andres Ambühl hatte vor Ende des Startdrittels mit einem Lattenschuss das 2:1 knapp verpasst, Thierry Paterlini schoss solo weit übers Tor (25.) und nach dem 2:1 durch den ersten Turniertreffer von Hnat Domenichelli (28.) liessen Raffaele Sannitz (30.) und vor allem Martin Plüss (35.) erstklassige Chancen zur Vorentscheidung ungenutzt. Die Strafe folgte auf dem Fusse: Konstantin Sacharow, der nachnominierte Sohn des Trainers, brachte in Überzahl den Gleichstand zurück (36.).


Hillers kapitaler Fehler


Vor Spielbeginn sorgte die Besetzung des weissrussischen Goaliepostens für Verwunderung. Im Kasten stand nicht etwa Witali Kowal, der am Testspielsieg in Winnipeg massgeblichen Anteil gehabt hatte, sondern Andrej Mesin. Der ehemalige Eisbären-Berlin-Keeper hatte zwei Tage danach beim 6:2-Erfolg der Schweizer vier der ersten acht Schüsse passieren lassen.
Für Verwunderung der anderen Art sorgte dann auch Jonas Hiller. Die "Schweizer Goaliebank" wollte einen absolut harmlosen Steilpass mit dem Handschuh fassen, bekam den Puck aber nicht unter Kontrolle und musste sich so nach 59 Sekunden durch Alexei Kaljuschni bezwingen lassen.
Die Schweizer erholten sich von diesem schlimmstmöglichen aller Starts nur langsam und mussten nach fünf Minuten froh sein, durch Alexander Kulakow nicht den zweiten Minustreffer zu kassieren. Danach begann das Krueger-Ensemble mehr zu laufen und setzte die Osteuropäer zunehmend unter Druck. Verdienter Lohn war der Ausgleich durch Julien Sprunger, der im Powerplay aufs Eis stürmte, einen Pass von Roman Wick übernahm, sich selber vorlegte und aus der Luft in den Netzhimmel beförderte (13.)


Schweiz - Weissrussland 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P.


Canada Hockey Place. -- 17'397 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Devorski/Orszag (Ka/Slk), Blümel/Nowak (Tsch/USA). -- Tore: 1. (0:59) Kaljuschni (Kostjutschenok) 0:1. 13. Sprunger (Wick, Martin Plüss/Ausschluss Kaljuschni) 1:1. 28. Domenichelli (Mark Streit, Blindenbacher/Ausschluss Demagin) 2:1. 36. Sacharow (Ugarow, Stasenko/Ausschluss Seger) 2:2. --

Penaltyschiessen: Déruns 1:0, Antonenko - (scheitert); Romano Lemm 2:0, Meleschko 2:1; Rüthemann - (scheitert), Sergej Kostizin - (scheitert). -- Strafen: 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Weissrussland.


Schweiz: Hiller; Seger, Mark Streit; Blindenbacher, Sbisa; Diaz, von Gunten; Philippe Furrer, Yannick Weber; Sprunger, Sannitz, Domenichelli; Romano Lemm, Jeannin, Wick; Déruns, Ambühl, Monnet; Paterlini, Martin Plüss, Rüthemann.
Weissrussland: Mesin; Salei, Kostjutschenok; Kolossow, Denissow; Ryadinski, Stasenko; Karew, Makrizki; Sergej Kostizin, Kaljuschni, Konstantin Kolzow; Kulakow, Stas, Meleschko; Demagin, Michalew, Antonenko; Ugarow, Sacharow, Sadelenow.


Bemerkungen: Schweiz ohne Tobias Stephan (Ersatztorhüter) und Rüeger (überzählig). Pfostenschüsse: Ambühl (18./Latte). -- Timeout Schweiz (69:53). -- Schüsse: Schweiz 42 (16-10-11-5); Weissrussland 22 (7-4-8-3). -- Powerplay: Schweiz 2/3; Weissrussland 1/5.

Hnat Domenichelli